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Die Kirche

 

 

Der Bau unserer Heilig Geist Kirche wurde von Pfarrer Dr. Reinhart Müller begleitet und begeistert vorangetrieben.

Hier Auszüge aus seinen Erinnerungen: *

Gottesdienst hielt die Gemeinde in der Methodistenkirche in der Balderas-Straße. Aber um 9:30 mussten wir fertig sein. Auch andere Veranstaltungen, Korfirmanden-Unterricht fanden in einer fremden Kirche statt. Wie schön wäre es, eine eigene Kirche zu haben!

Die Gemeinde war ja schon fast 100 Jahre alt, hatte schon einmal vor dem I. Weltkrieg Kirchbaupläne gemacht, Geld gesammelt, als Kriegsanleihe gezeichnet und verloren. Den Bauplan der Backsteinkirche habe ich noch gesehen.

Eine eigene Kirche..... sollten wir es wagen, den Gedanken ernsthaft zu denken?

Der Lutherische Weltbund faßte als erster Vertrauen und gab eine größere Summe für den Grundstückskauf in Mixcoac. Immer mehr Menschen wurden angesprochen und für das Projekt gewonnen.

Einen geeigneten Architekten zu finden war nicht einfach: Es gab in México viele bildschöne katholische Kirchen, aber keiner der bekannten Baumeister wollte seine Seele riskieren und im vorkonziliaren México eine Kirche für Ketzer bauen. Herr Mayer hatte keine solche Bedenken. Er hatte zwar noch keine Kirche gebaut, aber viele Schornsteine, die manches Beben überstanden hatten. So erhielt 'Schornstein-Mayer' den Auftrag, und er hat den einfachen Bau mit viel Bandeisen und Zement so solide ausgeführt, dass die Kirche mehrere mittelschwere Beben gut überstand.

Am 5. Mai 1957 legten Pastor Hilding Olssen und ich den Grundstein auf dem mit alten Bäumen bestandenen Grundstück.

 

Tausend Fragen gab es zu klären, und keiner von uns hatte je eine Kirche gebaut. So sagte der Pfarrer, was wo gemacht werden sollte, das Baukomittee, wie breit und hoch es sein mußte, und das Finanzkomittee: Das wird zu teuer!

Die Sache lief gut. Wir waren die ersten, die nach dem Krieg ein 'deutsches Projekt' in Méxiko planten. Die deutschen Firmen in Méxiko verdienten gut und beteiligten sich am Werk. Auch das Gustav-Adolph-Werk machte eine großzügige Spende.

 

Und im Vollzug des Kirchbaus sammelte sich die Gemeinde, kamen die Menschen aus ihren Verstecken, entdeckten wieder ihren christlichen Glauben. So wurde damals Gemeinde aus lebendigen Steinen gebaut, und wir entdeckten neu, was das ist, Kirche. Wir erlebten handgreiflich, wie viele Talente, Ideen, Begabungen und Erfahrungen Gott schon bereitgestellt hatte:

Eine Holzbildhauerin in Chiapas entwarf den Abendmahlstisch, Kanzel und Taufe, ihr Mann stiftete das Mahagoniholz.

Drei Bronzeglocken konnten bei Gebr. Rincker in Zinn gegossen werden, ein deutscher Frachter übernahm den kostenlosen Transport, der Botschafter importierte sie zollfrei. Erstmal standen sie im Kirchenschiff und wurden zu Ostern 1958 eingeweiht.

Ein Finquero kannte einen Orgelbauer in Braunschweig und stiftete einen großen Teil der dreimanualigen mechanischen Orgel, des ersten Exemplars alter deutscher Orgelbaukunst in México. Im November 1958 erklang sie zum ersten Mal.

Und nicht zu vergessen: Die Sammlerinnen und Sammler setzten sich unermüdlich ein, und eine große Summe kam durch viele kleine Spenden zusammen.

 

Es gab aber auch viele Hindernisse zu überwinden. Immer wieder wurde der Bau stillgelegt, weil irgendwelche Genehmigungen fehlten. Aber am Ende ging alles gut. Wir empfanden unsere Kirche als ein überwältigend großes Geschenk des Himmels.

 

Doch wie sollte sie heißen, dieses Geschenk des Himmels und dieser Fremdling in einem katholischen Land?

Wir entschieden uns bald für den Namen HEILIG-GEIST- KIRCHE und hatten dafür mindestens drei gute Gründe:

Gott, der Heilige Geist, hatte die kleine, zerstreute, in zwei Kriegen und der Revolution zerschlagenen Gemeinde durch hundert stürmische Jahre hindurch erhalten, zu neuem Leben erweckt und ihr mit dem eigenen Gotteshaus ein Stück Heimat in der Fremde geschenkt.

Zweitens wollten wir mit dem Namen klarstellen: Wir gehören zu der großen Familie der Kirchen und Christen, die Gott Vater, Jesus Christus und den Heiligen Geist bekennen und auf sein Hilfe trauen.

Drittens wollten wir künftigen Generationen, die dieses schlichte Gotteshaus 'erben', zurufen: 'Vertraut nicht eurer eigenen Kraft, eurem Geschick, eurem Glück. Setzt eurer Vertrauen auf Gott, den Heiligen Geist. Er macht lebendig. Er zeigt neue Wege. Er ist immer für Überraschungen gut.'

 

 

 

* Vollständig nachzulesen in unserer Festschrift zum Fünfzigsten Jubiläum unserer Kirche.